Carpet-Champion
Daniel Butz – Object Carpet

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Text: Dr. D. Danner

Teppichboden ist noch längst nicht am Ende seiner Innovationsgeschichte angekommen. Daniel Butz leitet mit Object Carpet eines der Pionierunternehmen des Objektteppichs – und er treibt die Entwicklung immer weiter voran. Er berichtet über Trends, Qualitäten und vor alle neue Akustik-Möglichkeiten.

Hallo Herr Butz, wie geht es dem Teppichboden?

Danke der Nachfrage. Dem hochwertigen Teppichboden geht es prächtig. Dem Durchschnittsteppich geht es nicht ganz so gut.

Das heißt?

Na ja, es ist wie so oft. Entweder soll es richtig billig sein oder richtig gut. Dazwischen wird es dünn. Und wir machen eben nur die richtig guten Teppichböden. Billig können wir nicht, und Durchschnitt wollen wir nicht.

Und was ist ein guter Teppichboden?

An erster Stelle steht die Qualität – aber die ist für uns selbstverständlich. Wir setzen auf Innovationskraft und konzentrieren uns dabei vor allem auf die Gestaltung, die Anforderungen und die Herausforderungen der aktuellen Architektur. Außerdem muss ein gutes Produkt immer auch mit einem exzellenten und innovativen Servicekonzept verbunden sein, an dem wir kontinuierlich arbeiten.

Daniel Butz (Geschäftsführer von Object Carpet) im Gespräch mit Dr. D. Danner, Herrausgeber der MADEby. © Johannes Hüsch

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Beim Teppichboden gibt es Innovationen? Ernsthaft?

Und wie. Viele glauben, der Teppich sei nach 2500 Jahren extrem ausgereift. Das ist er natürlich – aber trotzdem gibt es immer noch Potenzial für Weiterentwicklungen. Die Hightech-Polyamid-Fasern sind zwar von der chemischen Zusammensetzung seit 80 Jahren die gleichen, aber im Bereich der Konstruktion hat viel Faserengineering stattgefunden. Zudem ändert sich die Ausrüstung – also deren Veredelung. Es gibt jetzt extrem weiche, richtig flauschige, hochflorige Böden, die trotzdem in höchstem Maße objektgeeignet sind. Wir haben z. B. 20.000 Quadratmeter unserer hochflorigen Qualität „Poodle“ in die Wiener Zentrale der österreichischen Bundesbahn gelegt. Und auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit der Produkte gibt es große Entwicklungsschritte. So können beispielsweise 100 % recycelte Fasern aus ausgedienten Fischernetzen produziert und daraus wieder neue Teppiche getuftet werden. Grundsätzlich entwickeln sich auch die Maschinen, auf denen wir tuften und weben, immer weiter und ermöglichen uns neben neuen Gestaltungsmöglichkeiten auch eine effizientere und ressourcenschonendere Produktion.

Und was hat der Architekt davon?

Aktuelle Tuftingteppichböden sind nicht mehr zu vergleichen mit dem, was man allgemein als Verbraucher mit dem Produkt Teppichboden verbindet. Einfache Velours- und Schlingenqualitäten werden immer mehr durch komplexe Strukturen und Musterungen abgelöst, die erst durch die Kombination aus neuen Garnkonstruktionen und Maschinentechniken möglich werden. Neue Druck- und Produktionstechniken schaffen darüber hinaus noch flexiblere Gestaltungsmöglichkeiten, sodass auch individuelle Teppichböden nach Architektenentwurf bereits in kleineren Objekten umgesetzt werden können.

Und beim Weben ...?

... hat sich ebenfalls viel getan. Auch in der Weberei hat die Digitalisierung Einzug gehalten. Früher erfolgte z. B. die Jaquardsteuerung über Lochkarten, was heute über Computer erfolgt. Auch wurden einst nur vorgefärbte Garne verwoben. Inzwischen können wir aber auch flachgewebte Teppichböden nachträglich individuell bedrucken – und dies auch schon ab 200 Quadratmeter.

© Johannes Hüsch

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Aber trotzdem wird die Teppichbahn auch in Zukunft aufgerollt, und die Fliese bleibt eckig.

Nicht bei uns. OK – den Teppich rollen wir natürlich auch. Aber die Fliesen können jede Form bekommen, die der Architekt sich wünscht. Umgesetzt haben wir dies bereits in der neuen WEB FLEX Kollektion. Hier kann der Architekt neben der klassischen auch eine individuelle Fliesenform entwerfen. Aufgrund einer neuen Laserschnitttechnik sind der Gestaltungsfreiheit hier fast keine Grenzen gesetzt.

Also wird alles immer nur noch individueller, und es gibt keine Trends mehr?

Doch, Trends gibt es durchaus noch. Aber mehr, wenn es um Strukturen geht. Entweder es werden vom Architekten extrem weiche und hochflorige Teppichböden eingeplant, oder sie sind ganz flach, bretthart mit exakten technischen Strukturen. Und vor allem zählt die Nachhaltigkeit.


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